Der goldene Engelsgruß in der Lorenzkirche ist wieder aus der Nähe zu sehen
Bildnachweis: AB Conn und Giersch
Das Werk von Veit Stoß wurde im Hallenchor der Nürnberger Lorenzkirche herabgelassen. Rund zwei Wochen lang können Besucherinnen und Besucher es aus wenigen Metern Entfernung betrachten. Anlass sind die regelmäßige restauratorische Wartung des Kunstwerks.
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Hoch über dem Chorraum hängt normalerweise eines der bekanntesten Kunstwerke der Lorenzkirche. Dargestellt ist die Mariä Verkündigung durch den Erzengel Gabriel. Ein Rosenkranz umgibt die beiden Figuren; hinzu kommen musizierende Engel und sieben Medaillons mit Szenen aus dem Leben Christi und Mariens. Der aus Lindenholz geschnitzte Engelsgruß ist insgesamt 5,15 Meter hoch und wiegt ca. 450 Kilogramm.
Für die Bewegung des schweren Kunstwerks wird eine hölzerne Seilzugwinde im Dachraum über dem Hallenchor genutzt. Ihre Konstruktion geht im Ursprung auf die Entstehungszeit des Engelsgrußes zurück. Sie wurde über die Jahrhunderte mehrfach instand gesetzt und verändert; zeitweise übernahm eine gusseiserne Winde ihre Aufgabe. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die historische Holzwinde wieder verwendet.
Das Herablassen erfordert sorgfältige Abstimmung und enorme Anstrengung seitens des mehrköpfigen Teams. Nach dem Lösen der Sicherungen wird das schwere Kunstwerk langsam und unter ständiger Kontrolle durch Marisia Conn und Claus Giersch, den betreuenden Kirchenbaumeistern von St. Lorenz, sowie begleitend durch Restauratoren abgesenkt. Ein Team aus vier kräftigen Männern, das sich aus Vertretern der Kirchengemeinde - diesmal ergänzt durch Freiwillige der Nürnberger Feuerwehr - zusammensetzt, bediente die historische Winde.
Während im Dachraum die Konzentration auf dem Vorgang und der Konstruktion des Mechanismus lag, wurde der herabschwebende Engelsgruß von einer Gruppe von Restauratoren im Chor entgegengenommen. Um das sich noch in Schwingung befindlichen Kunstwerk in einen Ruhezustand zu bringen, wurde das hölzerne Schnitzwerk vorerst mit Seilen arretiert. Die beiden Gruppen stimmen sich dabei laufend per Handy ab, um den Vorgang professionell zu koordinieren.

Bildnachweis: AB Conn und Giersch
Das Herablassen gehört zu einem Wartungsgang, der etwa alle vier bis fünf Jahre stattfindet. Für die Untersuchung wird im Chorraum ein fahrbares Gerüst aufgestellt. Von dort aus prüfen die Restauratoren den Erhaltungszustand, reinigen das Werk und sichern bei Bedarf gefährdete Stellen. Zugleich bietet die Untersuchung Gelegenheit für kunsthistorische, restauratorische und naturwissenschaftliche Forschung.

Bildnachweis: AB Conn und Giersch
Nach Abschluss der Arbeiten in ca. zwei Wochen wird der Engelsgruß von Hand wieder an seinen angestammten Platz über dem Hallenchor gezogen.
Die heutige Sichtbarkeit des Werks war über die Jahrhunderte keine Selbstverständlichkeit: Nach Einführung der Reformation in Nürnberg im Jahr 1525 wurde der Engelsgruß verhüllt. Erst seit dem 19. Jahrhundert ist das Werk von Veit Stoß wieder offen im Chor der Lorenzkirche zu betrachten.